Regie: Dieter Wedel, Buch: John von Düffel
Ein modernes Drama in fünf Akten
Wer war der Mann, den Zeitgenossen spöttisch "den Starken" nannten? Er selber hätte wohl den Beinamen "der Große" oder "der Kluge" vorgezogen.Was interessiert Theaterbesucher von heute noch an dem "sächsischen Sonnenkönig", dem glücklosen Feldherrn, leidenschaftlichen Kunstliebhaber und unersättlichen Weiberhelden August?
Aus Rom und Florenz wird er überraschend zurückgerufen, um das Amt des Staatsoberhauptes anzutreten. Er will große Siege erringen, aber er ist kein Schlachtenlenker. Über seine Niederlagen versucht er, sich mit zahlreichen Affären hinwegzutrösten. Er begegnet der schönen, klugen und starken Gräfin Cosel. Sie wird zur Liebe seines Lebens.
Um sie zu beeindrucken, lässt er Architekten und Künstler, die er auf seinen Italienreisen kennengelernt hat, nach Dresden kommen. Mit immer neuen, immer grandioseren Bauwerken will er seiner Liebe huldigen. Dabei bewirkt er für Dresden und Sachsen mehr, als jede gewonnene Schlacht das vermocht hätte. Er verschuldet sich hoch und versucht verzweifelt, Geld aufzutreiben. Er befiehlt einem Chemiker, Gold zu machen. Dabei entdeckt der so ganz nebenbei das Rezept, nach dem die Chinesen seit Jahrhunderten Porzellan herstellen. August erkennt sofort die wirtschaftlichen Möglichkeiten, gründet die Meißner Porzellan-Manufaktur und befreit sich von seinen Schulden.
Je mehr er an Ansehen und Macht gewinnt, desto mehr verliert die Frau, die ihm in schwierigen Zeiten Halt gab und kluge Ratgeberin war, an Einfluss. Der Fürst entledigt sich schließlich all jener, die Zeugen seines Niedergangs waren. Er verbannt die Gräfin Cosel auf die Burg Stolpen. Für viele Jahrzehnte. Und sie bleibt auch dort, nachdem der Kurfürst längst tot ist.
Aus der Geschichte wissen wir, wie die Personen sich verhalten haben. Aber wir wissen nicht, warum. Das Stück bietet Antworten auf diese Fragen. Es ist kein buntes Historienspektakel, sondern ein großes, modernes Drama über die Vereinsamung durch Macht, die Vergänglichkeit von Liebe und die Zwänge, denen politische Karrieren zu allen Zeiten unterliegen.
Mit den Zwingerfestspielen kehrt die Geschichte um August, den Starken an ihren Ursprungsort zurück. 2011 wird Intendant Dieter Wedel selbst die Uraufführung von "Die Mätresse des Königs" mit einem prominenten Schauspieler-Ensemble im Dresdner Zwinger an historischer Stätte inszenieren.