03.08.2011

Großer Auftritt für den Zwinger

Sächsische Zeitung 03.08.2011

Von Claudia Schade und Annette Binninger

Bis tief in die Nacht liefen die Proben zu den Zwingerfestspielen. Jetzt klappt auch der Kartenverkauf.

Die Anspannung liegt in der Luft an diesem ausnahmsweise sonnig-warmen Sommerabend. Schauspieler in Zivil huschen über die Bühne im abgesperrten Nordteil des Zwingers. Die Bühnenwand erhält nochmal einen schwarzen, glänzenden Anstrich. Fertig ist vieles noch nicht, vor dem großen Auftritt der „Mätresse des Königs“, nur eine Stunde später. Zwei Tage vor der großen Premiere hatte Regisseur Dieter Wedel Journalisten zu einer öffentlichen Probe seines Stücks eingeladen. „Es läuft gut“, ist er zufrieden. Eine tolle Truppe, lobt er sein Team. Alles wirkt wohl geordnet.

Dabei schien noch vor wenigen Wochen unsicher, ob sich an diesem Freitag wirklich der Vorhang heben würde. Der Start der Festspiele war alles andere als einfach. Dabei sind die Pläne dafür bereits drei Jahre alt.

Die Idee für ein Sommerevent im Zwinger hatte Annett Reeder, die dann auch als Chefin das Großereignis vorbereitete, vor wenigen Wochen aber kurzfristig abgesetzt wurde. Die Finanzierung war völlig aus dem Ruder gelaufen. Werbung fehlte, es gab nicht genügend Sponsoren. Der Kartenvorverkauf lief schleppend. Die Zwingerfestspiele sackten lange bevor Details des Stücks und die Besetzung bekannt wurden in die Negativ-Schlagzeilen.

Nicht einmal 100 Tage im Amt zog Festspiel-Geschäftsführer Ralph Sander gestern eine vorsichtig optimistische Zwischenbilanz. Etwa die Hälfte der Karten sei verkauft – immerhin 17 abendliche Vorstellungen sind mit rund 1.800 Zuschauern zu füllen. Dass dieses Event ohne Geld aus öffentlichen Kassen auskommt, das ist Sander wichtig.

Finanzielles Restrisiko

Ein „finanzielles Restrisiko“ bestehe durchaus, räumt er ein. „Aber wir sind dabei, es durch einen derzeit extrem ansteigenden Kartenverkauf zu verringern.“ Bangen muss er damit noch eine ganze Weile. „Wir wollen etwas für diese Stadt tun, das ist unser Antrieb“, gibt sich Sander kämpferisch. Dass er dabei nicht immer mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt rechnen durfte, drückt Sander diplomatisch aus. „Es gab eine wohlwollende Neutralität von Stadt und Land.“

Während Kult-Regisseur Dieter Wedel mit seinen Nibelungen-Festspielen in Worms offene Türen einrannte, wurde ihm in Dresden klar gemacht, dass die Zwingerfestspiele nur eines von vielen privaten Events seien.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) setzte sich aber dafür ein, dass die Festspiele in die Landeshauptstadt kommt und half bei der Sponsorensuche. In anderen Dingen stellte sich die Stadt stur. So ist auf der städtischen Homepage kein einziger Hinweis auf die Festspiele zu finden. Begründung: dorthin dürfen nur städtische Veranstaltungen.