Freie Presse 03.08.2011
Die Mätresse des Königs: Dieter Wedels neues Open-Air-Theater vor spektakulärer Kulisse
Von Marianne Schultz
Dresden. Neu und spektakulär mit einem Hang zum Monumentalgemälde: Deutschlands quotensicherer Regisseur Dieter Wedel ("Der große Bellheim") hebt in Dresden die Zwingerfestspiele nach dem Vorbild der Nibelungenfestspiele in Worms aus der Taufe. Mehr als 1800 Besucher täglich können ab Freitag bis zum 21. August an fast allen Abenden das Stück "Die Mätresse des Königs" sehen, ein Stück über August den Starken, über starke Gefühle und zerstörerische Kraft der Liebe. Ein "Stück über den Preis der Macht", schickt Dieter Wedel voraus. Ein barockes Ausstattungsdrama jedoch soll es nicht werden, auch wenn die Figuren dazu verleiten. Autor John von Düffel erzählt die Geschichte August des Starken und seiner Schwäche für schöne Frauen, in deren Zentrum Gräfin Cosel steht, geborene Anna Constantia von Brockdorff, verheiratete von Hoym. Sie war die große Liebe seines Lebens, stand neun Jahre lang in seiner Gunst. Für sie verschuldete er sich, umwarb sie mit teuren Geschenken. Sie forderte Macht und Einfluss, war ihm ebenbürtig und überlebte ihn um 32 Jahre. Ganze 49 Jahre währte die Gefangenschaft auf der Burg Stolpen, wo die Cosel 1765 im hohen Alter von 85 Jahren starb. Gespielt wird diese bemerkenswerte Frau von Leinwandstar Teresa Weißbach ("Sonnenallee"), die aus Stollberg stammt.
Dieter Wedel konnte für die Produktion ein namhaftes Darstellerensemble versammeln, das vom Pirnaer Götz Schubert als August der Starke angeführt wird. Begegnen wird man Helmut Zierl als Graf Hoym, der Fürstin Teschen (Agata Buzek). Dirk-Bach-Freunde erleben den Komiker in der Rolle des Hofnarren. Raffiniert: Der Dresdner Zwinger ist das Meisterwerk von Barockbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann. Er errichtete das prächtige Barock-Ensemble zwischen 1710 und 1732 im Auftrag von August dem Starken.